Die Wissenschaftler sind völlig einig beim Erklären des Klimawandels

 

Wer daran zweifelt, dass die Klimaerwärmung grösstenteils menschengemacht ist, hat die überwältigende Mehrheit der Wissenschaftler gegen sich: 97 Prozent – so heisst es in der Debatte immer wieder – glauben daran. Was ist von dieser Zahl zu halten? Sie stammt aus einer Studie von 2013, die Aktivisten der Website Sceptical Science um den Kognitionswissenschaftler John Cook und den Astrophysiker Dana Nuccitelli machten. Sie wollten beweisen, dass es in der Klimaforschung einen immer stärkeren Konsens gab. Deshalb sichteten sie 12‘000 Studien – allerdings nur aufgrund der Abstracts! – und kamen darauf, dass 97 Prozent davon anerkannten, dass CO2 ein Treibhausgas und deshalb der Klimawandel mindestens zum Teil menschengemacht sei.

Die Studie wurde wegen ihrer zweifelhaften Methodik zerzaust. So legte sie die Kriterien für die Auswahl und die Beurteilung der Studien nicht offen. Zwei Drittel der Studien äusserten sich gar nicht zur Streitfrage; in einer Stichprobe fühlten sich fast zwei von drei Autoren falsch verstanden. Und ohnehin bestreiten auch Skeptiker nicht, dass CO2 als Treibhausgas wirkt, weshalb das menschengemachte CO2 zur Erwärmung beiträgt. 

Analyse der 12'000 Studien zum (angeblichen) Konsens
Analyse der 12'000 Studien zum (angeblichen) Konsens

Seriöse Befragungen kamen auf ganz andere Zahlen: So meinten in einer Umfrage der American Meteorological Society nur 52 Prozent, der Klimawandel sei mehrheitlich menschengemacht:.

Umfrage der American Meteorological Society unter ihren Mitgliedern, 2014
Umfrage der American Meteorological Society unter ihren Mitgliedern, 2014

Grundsätzlich gilt aber: In der Wissenschaft wird über die Wahrheit nicht abgestimmt – und Konsens ist kein Wert an sich. Oft brachten gerade einzelne Querdenker ihr Fach entscheidend weiter. So starb Alfred Wegener, der Entdecker der Kontinentalverschiebung, 1930 verbittert, weil ihn die Geologen auslachten. Heute nennt sich ausgerechnet ein deutsches Klimaforschungsinstitut nach ihm.

Der amerikanische Physiker und Wissenschaftsphilosoph Thomas S. Kuhn gab 1962 sein bahnbrechendes Werk „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ heraus. Er zeigte, wie sich Wissenschaften entwickeln: Die Forscher arbeiten aufgrund ihres Denkmusters (Paradigma) am Lösen von Problemen. Und erst wenn sich Probleme kaum mehr lösen lassen, kann sich eine neue Sichtweise durchsetzen – meist nach heftigen Konflikten erst in der nächsten Generation, manchmal auch dank genialen Einzelgängern wie Albert Einstein. (Um 1900 glaubten die meisten Physiker, sie könnten die Welt erklären und kaum mehr Neues entdecken.)

Das heisst: Eine Wissenschaft, die ihre Forscher auf den Konsens einschwört, erweckt kein Vertrauen – im Gegenteil.