Die Klimaleugner sind alle von der Öl- und Gasindustrie gekauft

 

Eine Wissenschaft, die den Konsens erzwingen will – nochmals: das ist das Gegenteil von Wissenschaft –, muss alle Skeptiker und Kritiker verleumden („Klimaleugner!“) oder gar verfolgen: Es gab schon mehrere Versuche, das „Klimaleugnen“ unter Strafe zu stellen oder in den USA gar eine Untersuchung gegen die „Klimaleugner“ aufgrund des RICO (Racketeer Influenced and Corrupt Organizations) Act zu führen. Und am einfachsten lassen sich alle kritischen Studien und Argumente mit dem Spruch abtun, die Dissidenten seien von den „fossilen Industrien“ gekauft.

Diesen Kreuzzug führt die Historikerin Naomi Oreskes an. Sie legte sich schon 2004 darauf fest, dass es einen 97-Prozent-Konsens gebe. Und sie klagte 2010 mit Eric Conway in ihrem stark beachteten Buch „Merchants of Doubt“ an, wie Lobbyisten mit wissenschaftlichen Studien die Debatten um die Gefahren des Rauchens, des Ozonlochs, des sauren Regens und auch des Klimawandels beeinflussten. Damit zeigte sie aber nur den politischen Alltag: In jeder wichtigen Frage – wie Gesundheit, Ernährung, Umwelt – gibt es divergierende Meinungen unter Wissenschaftlern; selbstverständlich nutzen die Interessenvertreter (zu denen auch die Politiker und die Bürokraten zählen!) jene Studien, die ihre Sicht stützen.

In einem Rechtsstaat fällt ein Urteil nur im Widerstreit von Anklage und Verteidigung – und zwar mit Waffengleichheit. Sollen sich Konzerne nicht verteidigen dürfen, die angeklagt werden, sie zerstörten unsere Umwelt? Für die Forschung, die in die IPCC-Berichte einfloss, gaben Staaten und Stiftungen in den letzten dreissig Jahren Milliarden aus. Soll die betroffene Wirtschaft nicht mit einem Bruchteil des Geldes dagegenhalten dürfen? Letztlich entscheidet über die Qualität von Forschung nicht, wer sie bezahlt, sondern ob sie der Kritik standhält.

Meist ist der Vorwurf der Käuflichkeit oder gar der Verschwörung aber nur das billigste Mittel, Wissenschaftler mit dissidenten Meinungen mundtot zu machen. Ein prominentes Beispiel in Europa ist der Chemie-Professor Fritz Vahrenholt (zu beachten ist auf Wikipedia, dass Kritiker des IPCC systematisch verleumdet werden). Der ehemalige Umweltpionier, SPD-Politiker, Windunternehmer und IPCC-Gutachter gab 2012 das Buch „Die kalte Sonne“ mit einer wissenschaftlich fundierten alternativen Erklärung der Erwärmung heraus, zusammen mit Sebastian Lüning.

Der Geologe arbeitete damals für den Energiekonzern RWE und arbeitet jetzt für das Unternehmen Galp Energia. Die beiden Wissenschaftler kommentieren auf ihrer Website diekaltesonne.de weiter die Klimaforschung; dabei tauschen sie sich mit anderen Kritikern aus. Daraus konstruierte die NZZ am Sonntag ein weitreichendes Netzwerk, das angeblich Schweizer Klimaforscher verleumdet.

Internationale Verbindungen der Schweizer Klimaskeptiker gemäss NZZ am Sonntag, 10.3.2019
Internationale Verbindungen der Schweizer Klimaskeptiker gemäss NZZ am Sonntag, 10.3.2019