Die Schweiz hat sich doppelt so stark erwärmt wie das Weltklima

 

Über die Entwicklung des Klimas in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden streiten die Forscher immer noch. Denn sie können, da es dafür keine Daten gibt, nur Proxydaten suchen: mit den Jahrringen von uralten Bäumen oder mit Proben aus Gewässersedimenten und Gletschereis. Und diese Daten lassen unterschiedliche Deutungen zu. Für die Zeit seit Mitte des 19. Jahrhunderts stehen aber die Fakten fest: Die Datenreihen der Messstationen, die die Staaten seither aufgebaut haben, zeigen eindeutig eine Erwärmung. Oder nicht?

Schon beim Messen – also der Grundlage der Klimaforschung wie jeder Naturwissenschaft – zeigt sich, dass es keine eindeutigen, sondern nur menschengemachte Fakten gibt. Wir Menschen sehen, aufgrund der menschlichen Schwäche des Confirmation Bias, am liebsten jene Daten, die unsere Sicht bestätigen. Und wir biegen die Daten, wenn sie dies nicht tun, notfalls zurecht.

Selbst auf die Messwerte der Wetterstationen, die es in der Schweiz seit gut 150 Jahren gibt, können wir uns nicht blind verlassen. Denn die Umstände haben sich gewandelt: andere Messinstrumente, andere Umgebungsverhältnisse, manchmal gar ein anderer Standort. Die Kritiker des IPCC weisen deshalb darauf hin, dass zum Beispiel in den USA oder in China Wetterstationen, die einst in einer ländlichen Umgebung standen, jetzt in Stadtzentren oder neben Flughäfen stehen, also höhere Temperaturen messen. Auf den Effekt der Urban Heat Islands, dass sich die Wärme in den Städten staut, führen diese Kritiker deshalb einen grossen Teil des Temperaturanstiegs zurück.

Auch die Forscher von MeteoSchweiz mussten ihre Datenreihen anpassen – in der Fachsprache: homogenisieren. Wie sie das taten, legten sie in einem Bericht von 2003 offen. Darin räumen sie freimütig ein: „Die aus den 12 homogenen Reihen ermittelte Zunahme der Temperaturen im 20. Jahrhundert um ca. 1,2 Grad würde bei der Verwendung von Originalwerten im Mittel nur etwa halb so gross ausfallen.“ Das springt bei einem Vergleich von Grafiken mit den originalen Rohdaten und mit den homogenisierten Temperaturreihen ins Auge:

Vergleich von originalen und homogenen Daten für Sion und Zürich (unterschiedliche Temperaturskalen!)
Vergleich von originalen und homogenen Daten für Sion und Zürich (unterschiedliche Temperaturskalen!)

Die Erwärmung, die sich zum Beispiel bei den Rohdaten von Sion gar nicht zeigt, ist also menschengemacht: Bei der Homogenisierung senkten die Forscher vor allem die Werte vor 1980 stark ab – deshalb stiegen die Temperaturen danach deutlich an. Die Korrektur drängte sich angeblich auf, weil die Umstellung von der konventionellen zur automatischen Messung zu tieferen Werten führte. Allerdings stellte der Meteorologe Klaus Hager fest, die neu verwendeten elektronischen Messsysteme zeigten um 0,93 Grad höhere Temperaturen an – die Werte nach 1980 hätten also nach unten korrigiert werden müssen. Aber dann wäre von der Erwärmung nichts geblieben.

Homogenisierungsbeiträge zur Korrektur der Rohdaten
Homogenisierungsbeiträge zur Korrektur der Rohdaten