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Photovoltaik und Wasserkraft beissen sich

Eine Studie empfiehlt, als Ersatz für die Atomkraft die Photovoltaik massiv auszubauen. Diese Rechnung kann nicht aufgehen. 

von Martin Schlumpf

Unter dem Titel «Ein neues AKW käme teuer und spät» besprach Helmut Stalder in der NZZ eine Kurzstudie der Schweizerischen Energiestiftung, in der diese aus Kosten- und Zeitgründen für den massiven Ausbau der Photovoltaik (PV) anstelle der Kernenergie plädiert. Zu Recht wies er aber am Ende darauf hin, dass in der Studie die Verfügbarkeit des Stroms im Winter nicht diskutiert werde. Ohne diesen Vergleich sind aber solche Studien weitgehend wertlos.

Denn die saisonalen Erträge aus Solar- und aus Kernkraftanlagen differieren gewaltig: PV-Anlagen produzieren in schwachen Wintermonaten bis zu 13-mal weniger als im Sommer, während die AKW im Winter überdurchschnittlich viel liefern. PV-Strom erfüllt saisonal also unsere Konsumentenbedürfnisse in keiner Weise.

Es wird aber noch schlimmer, wenn man die Wasserkraft – als zwingenden Partner zum Speichern der Energie – in den Vergleich einbezieht. Die neuste Elektrizitätsstatistik weist aus, dass die verwendeten natürlichen Wasserzuflüsse nur zu 23 Prozent im Winter gefasst wurden. Dank den zahlreichen Speicherbecken konnte saisonal ein Ausgleich geschaffen werden, der die tatsächliche Winterstromerzeugung auf 42 Prozent anhob.

In Bezug auf einen substantiellen Ausbau von Solaranlagen ergeben sich daraus zwei Konsequenzen: Erstens verstärkt ein PV-Zubau die Winterknappheit, die bereits durch den Wasserstrom verursacht wird. Und zweitens bleibt im bisherigen Wasserkraft-System fast keine Speicherkapazität für überschüssigen PV-Sommerstrom, da die Speicherwerke weitgehend durch die saisonale Glättung der natürlichen Wasserzuflüsse beansprucht sind. 

Bevor wir also Kostenvergleiche zwischen PV und AKW machen (in denen alle Konsequenzen aus den hier geschilderten Bedingungen nicht miterfasst sind), sollten wir uns nochmals überlegen, ob die überwiegenden physikalischen Vorteile der AKW, die die Wasserkraft optimal ergänzen, nicht Grund genug sein sollten, um das Neubauverbot dieser Anlagen zu revidieren.